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Fragen und Ergebnisse

Folgende Fragen wurden 6 Jüdinnen im Alter von 34-62 Jahren gestellt:

  1. Wie alt sind Sie?
  2. Welcher religiösen Richtung fühlen Sie sich zugehörig?
  3. Welchem Beruf gehen Sie nach? / Sind Sie nachgegangen?
  4. Wie lange sind Sie verheiratet?
  5. Ist es Ihnen unangenehm, mit anderen Jüdinnen über niddah zu sprechen – wenn ja, wieso?
  6. Ist es Ihnen unangenehm, mit Außenstehenden über niddah zu sprechen – wenn ja, wieso?
  7. Seit wann praktizieren Sie niddah?
  8. Wurde niddah in Ihrer Familie praktiziert und wurden Sie entsprechend erzogen?
  9. Falls nein, von wem haben Sie diese Praxis gelernt?
  10. Welchen Einfluss hat die niddah auf Ihre Familie und Ihren Alltag?
  11. Welchen Einfluss hat die Einhaltung der niddah-Gesetze auf Ihre Identität als Jüdin?
  12. Was ist alles anders während der niddah?
  13. Verändert sich Ihre Körperwahrnehmung während der niddah?
  14. Warum machen Sie das?
  15. Welche Vorteile sehen Sie?
  16. Welche Nachteile sehen Sie?
  17. Haben Sie diese Praxis immer gleich bewertet oder hat sich Ihre Einstellung dazu nach Krisen o.ä. verändert – wenn ja, wie?
  18. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die mikweh?
  19. Welchen Bezug haben Sie sonst zu Ihrer Religion und ihren Vorschriften?
  20. Warum lehnen Sie niddah ab?
  21. Gibt es weitere Punkte, die Ihrer Meinung nach bei einer Beschäftigung mit diesem Thema angesprochen werden sollten?

Ziel dieses Fragekatalogs war es, die Sichtweise der jeweils befragten Person möglichst gut verstehen und wiedergeben zu können; daher sollte nicht nur geklärt werden, wie niddah und der Besuch einer mikweh selbst rational und emotional gefasst werden, sondern auch, woher die Kenntnis von diesen Ritualen stammt, wie damit im Elternhaus umgegangen wurde sowie wie und warum sich die Bewertung dieser Praktiken verändert hat, bzw. wie diese Bewertung in die sonstige Sichtweise auf die Religion eingebettet ist.

 

Ergebnisse

Die Auswertung der oben genannten Fragen zeitigt – der geringen Anzahl an Befragten zum Trotz – einige interessante Ergebnisse.

So ist an erster Stelle festzuhalten, dass von den 6 befragten Personen lediglich eine tatsächlich die niddah-Konzeption gutheißt und befolgt. Dabei handelt es sich außerdem um die einzige Befragte, welche sich selbst als „orthodox" betrachtet, während alle anderen, die sich (wenn auch nicht uneingeschränkt) dem konservativen Spektrum zuordnen, die Einhaltung der niddah aus verschiedenen Gründen nicht praktizieren:

  • Ablehnung des niddah-Gedankens (Unreinheitsgedanke, nötige Reinigung)
  • Ablehnung der niddah-Gesetze (Verzicht auf Körperkontakt)
  • keine grundsätzliche Ablehnung, aber mangelnde Praxiserfahrung durch nicht-religiöse Erziehung, bzw. Ablehnung des Aufwandes, der gerade hierzulande, wo die nächste mikweh durchaus weiter entfernt sein kann, betrieben werden müsste
  • Rebellion und Widerstand gegen die in frommen Kreisen als Selbstverständlichkeit empfundene Praxis sowie gegen die unhinterfragende Nachahmung derselben

Möglicherweise auffällig ist (hier z.B. wäre es höchst interessant gewesen, einen größeren Personenkreis befragen zu können), dass die zwei Frauen, welche auch religiös erzogen wurden, heute zu den niddah-Ablehnenden zählen.

Bedauerlicherweise kann nur eine Frau zu Wort kommen, wenn die Gründe für eine Befolgung der niddah-Regeln betrachtet werden: die entsprechende Dame äußerte als wichtigsten Grund die Konsequenz: wenn man so jüdisch ist, dass man die Kaschrut (Speisegesetze) einhält, dann dürfe man sich auch nicht vor den möglicherweise schwerer befolgbar erscheinenden niddah-Gesetzen drücken. Weiterhin aber sei der Beginn ihrer niddah-Praxis (vor 15 Jahren) auch Teil einer Suche nach den eigenen Wurzeln und Neugier gewesen.

Sehr interessant ist auch, dass ausnahmslos alle Befragten sofort bekannten, „religiös", bzw. „sehr religiös" zu sein – was jedoch nicht ausschließt, dass man bestimmte Vorschriften, wie in diesem Fall eben die niddah, ablehnt, weil man sie entweder aus konkreten Gründen nicht gutheißt oder weil man seinen Glauben einfach weniger praktisch orientiert sieht.

Eine andere Sichtweise wurde von der niddah-praktizierenden Person geäußert: die Vorschriften können auch als „roter Faden" dienen und daher mit Freude befolgt werden.

Zum (freilich von der niddah unabhängigen) mikweh-Besuch dagegen können mehr Frauen aus eigener Erfahrung berichten: alle Befragten empfanden das Untertauchen hier als etwas originär Jüdisches und damit als identitätsstiftend. Gerade der Besuch nach der Periode wird als „geschützter Moment" betrachtet, den man mit Vorfreude erwartet, aber auch der mikweh-Besuch nach schwerer Krankheit wird sehr positiv, nämlich dezidiert als Ende eines Abschnitts, bei dem „Unsicherheiten weggewaschen" werden, gesehen.

Der Ablauf der niddah lässt sich leicht parallel zu van Genneps Übergangsritenschema betrachten:

  • Rite des séparation körperliche Trennung vom Ehepartner, dann aber auch die gründliche Reinigung des Körpers, Entfernung von allem an ihm haftenden Schmutz sowie weiteren körperfremden Dingen
  • Rite de marge Eintauchen in das Wasser der mikweh
  • Rite d\`agrégation die danach erfolgende Wiederaufnahme der körperlichen Beziehungen zum Partner