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Jüdische Lehre

Dieser Thread bezieht sich auf die Kategorie Jüdische Lehre im Bereich Fragen und Antworten zum Judentum,

Dann will ich mal den Anfang machen. Jeder kann sich beteiligen!

Frage 1: Was versteht man unter mündlicher und schriftlicher Lehre?

Die schriftliche wie auch die mündliche Tora (hebräisch: Lehre) wurde dem Volk Israel am Berg Sinai offenbart. Die schriftliche Tora  umfasst die 5 Bücher Moses.

Die mündliche Tora wurde erstmals in der Mischna (hebräisch: Wiederholung) in 6 Ordnungen schriftlich fixiert. Der Talmud, in 63 Traktate gegliedert, umfasst die Mischna und die Gemara (hebräisch: Vollendung). Die Gemara behandelt die Mischna, legt diese aus und ergänzt diese.

Interessanter Artikel zum Thema: Die Tora im Judentum

Frage 2: Welche Hauptwerke gehören zur schriftlichen und mündlichen Lehre?

Die schriftliche Tora (hebräisch: Lehre) besteht aus den 5 Büchern Moses und bildet den 1. Teil des Tanachs:

  1. Buch Moses: Bereschit (hebräisch: Im Anfang), Genesis
  2. Buch Moses: Schmot (hebräisch: Namen), Exodus
  3. Buch Moses: Wajikra (hebräisch: Und er rief), Numeri
  4. Buch Moses: Bamidbar (hebräisch: In der Wüste), Leviticus
  5. Buch Moses: Dwarim (hebräisch: Worte), Deuteronomium

Die Mischna

Die schriftliche Tora ist  unveränderlich. Sie gilt für alle Zeiten und umfasst sämtliche Lebensbereiche. Eine Verschriftlichung über das korrekte Leben nach der Tora ist damit eigentlich unmöglich bzw. wäre äußerst umfangreich. Die mündliche Tora durfte daher zunächst nicht aufgeschrieben werden. Darüber hinaus sollte die mündliche Tora nicht nur einfach als gegeben verstanden, sondern das Leben nach der Tora, der Lehre G-ttes, immerzu neu erarbeitet werden. Jeder Jude sollte sich jeden Tag aufs Neue um ein Leben im Sinne G-ttes und nach seiner Tora bemühen.

Die schriftliche Tora befasst sich mit dem Was. Die mündliche Tora will Antworten auf das Wie geben. Damit ist die mündliche Tora einem dynamischen Prozess unterworfen, da sich für jede Generation neue Fragen über das Wie auftun. Das Was, die schriftliche Tora, bleibt für alle Zeiten unstrittig.

Die Entscheidung die mündliche Tora dennoch aufzuschreiben fiel nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 n.d.Z. Es wurde befürchtet, dass ansonsten die mündliche Überlieferung in der Diaspora (hebräisch: Verstreutheit) nach und nach in Vergessenheit geraten würde. Der Patriach Jehuda haNasi als letzter Tanait (Tannait, aramäisch: Tanna = Lehrer; aram. tanna von hebr. schana, wiederholen, lehren, lernen) beendete die Kodifizierung der mündlichen Tora. Es entstand die Mischna (griechisch: Wiederholung).

Die Gemara

Die Gemara (aramäsch: Vollendung) ist eine Ergänzung zur Mischna. Die Mischna wurde nach ihrem Entstehen weiter kommentiert und diskutiert. Die Ergebnisse wurden in der Gemara niedergeschrieben.

Der Talmud

Aus Mischna und Gemara entstand der Talmud. Der babylonische Talmud beinhaltet zudem noch Kommentare aus späteren Zeiten. Der Bekannteste ist der Kommentar von Rabbi Schlomo ben Jitzchack (Raschi).