Die Lehren der Tora über Gottes Verhältnis zur Welt

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 1. Gott ist der Schöpfer der Welt; er hat alles, was außer ihm da ist, aus nichts, ohne Stoff und Mittel durch seinen freien Willen (sein Wort) ins Dasein gerufen, damit dieses sein Werk ein Wohnplatz werde für ungezählte Millionen von Wesen, die sich ihres Daseins freuen und im Genusse der erschaffenen Güter sich beglückt fühlen sollen; insbesondere sollen die mit Vernunft begabten Wesen (Menschen) in der Anerkennung ihres Schöpfers und durch Befolgung seines Willens sich die höchste Glückseligkeit erringen.

Am Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde. 1.Mos. 1,1.

Vor Gott fürchte sich die ganze Erde, vor ihm müssen bangen alle Bewohner der Welt; denn er sprach, und sie ward, er befahl, und sie stand da. Ps. 33, 8‑9.

Du bist allein Gott, du hast den Himmel gemacht, der Himmel Himmel und ihr ganzes Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darin ist. Neh. 9,6.

So spricht Gott, der die Himmel schuf ‑ er ist Gott, der die Erde bildete und sie schuf; er hat sie wohl hergestellt; nicht zur Einöde schuf er sie, zum Bewohnen hat er sie gebildet ‑: Ich bin Gott, keiner sonst. Jes. 45,18.

 

2. Gott ist der Gesetzgeber der Welt. Er hat in alle geschaffenen Wesen die Gesetze ihres Werdens, Bestehens, Wirkens und Vergehens gelegt; das Sandkorn wie der die Welträume durchrollende Himmels­körper, der Tautropfen wie das Weltmeer ‑ sie folgen in Ruhe und Bewegung, im Anziehen und Abstoßen nur Gottes Gesetzen; die Flechte am kahlen Felsen wie der Riesenbaum, der Wurm wie der Elefant entwickeln sich nur nach den von Gott gegebenen Gesetzen; der Trieb, dem das Tier blindlings, ohne je zu irren, folgt, ist nicht minder Gottes Gesetz als die Stimnme des Gewissens, welcher der Mensch mit Bewußtsein und freiem Willen folgen soll. Gottes Gesetzgeberruf hat Tiere und Pflanzen, "nach ihren Art und Gat­tungen (leminhem) abgeteilt und kein einziges Wesen verläßt, sich selbst überlassen, die von Gott ihm angewiesene Heerschar. Über­all, wohin wir schauen im Reiche der Schöpfung, herrscht Gesetz, Gottes Gesetz.

Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn alle Lichtgestirne. Lobet ihn der Himmel Himmel und das Wasser in der Himmelsluft! Alles lobe Gottes Namen, denn er befahl, und sie waren geschaffen, er hat sie festgestellt für immer und ewig, ein Gesetz gab er, unübertretbar. Ps. 148,3‑6.

Ich gab ihm (dem Meer) mein Gesetz setzte ihm Riegel und Tore vor und sprach: Bis hierher darfst du kommen, nicht weiter, hier sollen deine hochstrebenden Wogen brechen Ijob 38, 10 und 11.

Also spricht Gott: Besteht nicht mein Bund mit dem Tag und der Nacht? Habe ich die Gesetze des Himmels und der Erde nicht einge­setzt? Jirm. 33,25.

 

3. Gott ist der Erhalter der Welt; nicht nur das Entstehen, sondern auch das Fortbestehen der Welt ist Gottes Werk; nur durch seinen Willen dauert sie fort; nur durch seinen Willen wirken die Kräfte und Gesetze der Natur; er kann diese ändern und aufheben (Wunder), und alles Bestehende muß vergehen, wenn er es nicht mehr erhalten will. Er verschafft jedem seiner Geschöpfe, was es zum Leben und Fortbestehen nötig hat.

Gott, ewig ist dein Wort festgestellt am Himmel; von Geschlecht zu Geschlecht dauert deine Treue ‑ du hast die Erde gegründet, sie steht. Nach deinen Urteilssprüchen stehen sie noch heute, denn alle sind sie deine Diener. Ps. 119, 89‑91.

Er zählt die Zahl der Sterne, ruft sie alle beim Namen. Er be­deckt den Himmel mit Wolken, bereitet der Erde Regen, läßt Gras wachsen auf den Bergen. Er gibt dem Vieh seine Nahrung, den jungen Raben, die da rufen. Ps. 147, 4.8.9.

Aller Augen harren auf Dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit; du öfffnest deine Hand und sättigst alles Lebendige mit Wohlwollen. Ps. 145, 15‑16.

Leben und Gnade schenkst du mir, und deine Obhut bewahret meinen Odem. Ijob 10, 12.

 

4. Gott ist der Regierer der Welt; er ist die Ursache alles dessen, was den geschaffenen Wesen, dem kleinsten wie dem größ­ten, insbesondere aber dem Menschen, dem einzelnen wie der Ge­samtheit, zukommt (Schicksal); von ihm kommt Leben und Tod, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit, Niedrigkeit und Hoheit, Krieg und Frieden. Ohne Gottes Zulassung können wir nichts beginnen, ohne seine Hilfe nichts vollenden; aber auch die Folgen dessen, was wir vollbracht haben, liegen in seiner Hand; was immer die Absicht, der Zweck unserer Taten gewesen ist, es erfolgt immer nur das darauf, was Gottes weisen Heilsplan fördert, oft ganz gegen unsere Absicht, der Zweck unse­rer Taten gewesen ist, es erfolgt immer nur das darauf, was Gottes weisen Heilsplan fördert, oft ganz gegen unsere Absicht. Gott allein sieht den Erfolg aller Unternehmungen voraus, darum nennt man seine Weltregierung oft auch die göttliche Vorsehung (Haschgacha). Wir können die Vorsehung nicht begreifen. Wie in der Natur uns manches schädlich erscheint, was sehr nützlich ist, so erscheint uns im Leben vieles als Übel, was zum Heile führt.

Gott wird regieren immer und ewig. 2.Mos. 15,18.

Gott, im Himmel hat er seinen Thron festgestellt, sein Reich herrscht über alles. Ps. 103,19.

Gott macht arm und reich, erniedrigt und erhöht. Er erhebt vom Staube den Dürftigen, vom Schutthaufen erhöht er den Armen, um ihn zu setzen neben Fürsten und läßt den Thron der Ehre sie erben. 1.Sam. 2, 7 und 8.

Ihr hattet Böses über mich ersonnen, Gott aber dachte es zum Guten, indem er tat, wie es heute ist, um ein zahlreiches Volk zu erhalten 1.Mos. 50, 20.

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Gott. Denn so hoch der Himmel erhaben ist über der Erde, so sind erhabener meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken Jes. 55,8.9.

Des Menschen Herz denkt seine Wege aus, Gott aber lenkt seine Schritte. Spr. 16,9.

 

5. Die Schöpfung ist eine Offenbarung der Macht, Weisheit und Liebe Gottes, darum fordern die heiligen Bücher uns zu einer Betrachtung der Werke Gottes auf. Doch ist eine solche Betrach­tung nur an der Hand der Tora heilsam, ohne die Tora kann sie sehr verderblich werden. Die alten Völker kamen durch Naturbe­trachtung zur törichtesten Vergötterung geschaffener Wesen; in der neueren Zeit führte die Forschung in der Natur ohne Beachtung der Tora zur Vergötterung der Naturkräfte, des Naturstoffes, zur Gottesleugnung. Die Betrachtung der Werke Gottes muß uns aber zur demütigen Erkenntnis unserer Schwäche und Nichtigkeit, sowie zur Anerkennung der Macht Gottes führen.

Erhebet zur Höhe eure Augen und sehet, wer diese (Himmelskörper) geschaffen hat. Jes. 40,26

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk ver­kündigt das Firmament. Die Lehre Gottes aber ist vollkommen, befriedigt die Seele. Ps. 19, 2, 8.

Dass du deine Augen nicht zum Himmel erhebst und siehst die Sonne, den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels und du läs­sest dich beirren, bückst dich vor ihnen und dienst ihnen. 5. Mos. 4,19.

Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du festgestellt, was ist da der Sterbli­che, dass du seiner gedenkst, der Sohn Adams, dass du seiner ach­test. Gott, unser Herr, wie mächtig ist dein Name auf der ganzen Erde. Ps. 8. 4, 5, 10.