Durch Wohlwollen und Barmherzigkeit

Waisen, Witwen und Fremdlinge

1. Jeden Menschen sollen wir lieben und achten, niemanden durch Wort oder Tat in seinem Recht kränken, allen unsere Barmherzig­keit erweisen. Dennoch empfiehlt die Tora unserer Barmherzigkeit wiederholt und eindringlich diejenigen, die am leichtesten ge­kränkt werden und jede Kränkung am schwersten empfinden, weil sie auf Erden keinen Annehmer haben: Witwen, Waisen und Fremdlinge (Gerim), die sich uns angeschlossen haben.

Wohltaetigkeitsleistungen

1.Nach den Vorschriften der Tora sollen wir unserem Nebenmen­schen nicht bloß mit unserem Vermögen, sondern auch durch unsere persönliche Tätigkeit unsere Liebe erweisen. Diese Art der Wohl­tätigkeit nennen wir ( ) im engeren Sinne. Insofern mit der Bewirtung von wandernden Armen, Versorgung armer Mädchen und Auslösung Gefangener persönliche Leistungen verbunden sind, gehören diese auch hierher; es sind aber noch folgende hervorzu­heben.

Zins zu nehmen

1. Die Tora verbietet, von einem Israeliten für ein Darlehen irgendwelchen Zins zu nehmen, oder einem Israeliten irgendwelchen Zins zu geben. Die Vermögensverhältnisse des Darleihers und des Schuldners sind hierbei ganz gleichgültig; wir dürfen von einem Reichen ebensowenig wie von einem Armen Zins nehmen, und einem Armen ebensowenig als einem Reichen Zins geben.

Aushilfe

1. Die Tora gebietet uns, unseren verarmenden Nebenmeschen so lange als möglich zu stützen, dass er sich ehrbar ernähren könne und nicht auf die niederste Stufe der Armut heruntersinke, die ihn zwingt, Almosen zu nehmen, und den Gefahren der Arbeitslosig­keit und des Müßiggangs aussetzt.

Rückgabe des Gefundenen

1. Auch jeden Vermögensverlust müssen wir von unserem Nebenmen­schen abwenden. Demjenigen, der irgend etwas findet, verbietet die Tora, zu sprechen: Da ich mir den Gegenstand nicht aneignen darf (92,1), so will ich mich darum nicht kümmern und ihn liegen lassen; sie gebietet vielmehr, sich des verlorenen Gegenstandes anzunehmen und ihn dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zuzustel­len.

Ist dieser unbekannt, so muß der Finder durch öffentliche Bekanntmachung dafür sorgen, dass derselbe von dem Wiederauffinden seines Eigentums Kunde erhält.

Beistand in Gefahren

1. Die Tora verbietet uns, es gleichgültig mit anzusehen, wenn unserem Nebenmenschen Gefahren, besonders Lebensgefahren drohen, und gebietet uns, ihn mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln zu retten, z.B. in Wassers‑ oder Feuersnot, wenn Räuber, Mörder, wilde Tiere ihn verfolgen.

Zurechtweisung der Sünder

1. Unsere Liebe zu unserem Nebenmenschen darf sich keineswegs darauf beschränken, dass wir ihn in seiner Person und seinen Rechten nicht verletzen, ihm lassen, was er hat, ihm geben, was ihm gehört; wir müssen auch mit dem Aufwand aller unserer Mittel und Kräfte dazu beitragen, dass er, was er besitzt, nicht einbüße und ihm das werde, was ihm mangelt. Die Tora erteilt uns hierüber eine Reihe von Vorschriften, durch deren Befolgung wir die höchste Stufe erreichen, zu welcher der Wandel in den Wegen Gottes emporführen soll, Gottes, der alle rettet, allen hilft, allen gibt, wessen sie bedürfen. Alle diese Vorschriften gehören unter den Begriff der "tätigen Bruderliebe".

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